Der Alfa Romeo 156 (Typ 932) ist ein Mittelklasse-Automobil der Marke Alfa Romeo, das von Herbst 1997 bis Sommer 2005 gebaut wurde. Der vom 156 abgeleitete Semi-Geländewagen Crosswagon Q4 wurde auf dem europäischen Markt bis Mitte 2007 verkauft. Grundlage der Konstruktion des 156 war die Plattform des Fiat Tipo, wenn auch stark verändert, etwa mit einer Doppelquerlenkerradaufhängung vorn und der von Lanciastammenden Camuffo-Hinterachse.

Allgemeines

Der Alfa 156 gilt als Schlüsselmodell zum neuen Erfolg der Marke Alfa Romeo, nachdem sie nach der Übernahme durch Fiat 1986 mit den neuen Modellen zunächst stagniert hatte. Bereits zwei Jahre nach der Markteinführungmachte der 156 über fünfzig Prozent der gesamten Alfa-Produktion aus. Gefertigt wurden rund 680.000 Exemplare.
Der Alfa 156 JTD war das erste Diesel-Fahrzeug mit einer Common-Rail-Einspritzung. Als vermutlich erstes Serienfahrzeug gab es beim 156 auch Lacke, die nach Betrachtungswinkel die Farbe wechseln, darunter der Ton „Azzuro Nuvola“.
Ab der leichten Modellpflege im Frühjahr 2002 gab es die Ausstattungsvarianten Impression, Progression und Distinctive.

Entwicklung

Der Alfa 156 (intern als Typ 932 bekannt) sollte ursprünglich im Jahr 1998 auf den Markt kommen, während für den größeren Alfa 166 ein Start im Jahr 1997 vorgesehen war. Da jedoch die Verkaufszahlen des Vorgängers Alfa 155 stärker als erwartet zurückgingen, wurde die Entwicklung des 166 zurückgestellt und alle verfügbaren Kapazitäten eingesetzt, um den Verkaufsstart des 156 vorzuziehen.
Schließlich erschien der 156 im September 1997 auf der IAA in Frankfurt als viertürige Stufenhecklimousine, zunächst mit Ottomotoren von 1,6 bis 2,5 Litern Hubraum (88 bis 140 kW) und Dieselmotoren mit Common-Rail-Einspritzung und 1,9 respektive 2,4 Litern Hubraum (77 und 100 kW). Im 156 kamen in nennenswertem Umfang Bauteile aus Magnesium zum Einsatz, und erstmals in einem Motor eines Serienfahrzeugs. Beim Serienanlauf war nur eine kleine Auswahl an Varianten erhältlich, die erst im Frühjahr 1998 einen größeren Umfang erreichte, als beispielsweise Fahrzeuge mit Dieselmotoren und mit Leder-Ausstattung ausgeliefert wurden.
Der Alfa 156 bekam in der Presse anfangs Lob. So wurde von der Zeitschrift „auto motor und sport“ eine 1.8-Liter-Ausführung getestet, die bergab eine Höchstgeschwindigkeit von 244 km/h erreichte, was im Test sehr lobend und als für die Hubraumklasse phänomenal erwähnt wurde. Diese Zeitschrift verglich 2015 den Wirbel um das Modell mit dem Erscheinen der Alfa Romeo Giulia 34 Jahre zuvor, die ebenso bedeutend für die Automobilwelt war.
Der Alfa 156 erreichte auf Anhieb sehr gute Verkaufszahlen und schaffte es in die Rangliste der fünfzig meistverkauften Fahrzeuge in Deutschland, was lange Zeit keinem Alfa gelungen war.
Die frühen Exemplare hatten jedoch Qualitätsmängel, nicht zuletzt wegen der schnellen Produktionseinführung. Wassereinbrüche in den Türen und am Boden, undichte Heckscheiben, festgehende Vorderachslenker, defekte Servolenkungen und ausfallende ABS-Sensoren betrafen viele der ersten Exemplare. Alfa Romeo reagierte schnell und stellte zügig Abhilfe bereit, die im Wege von Garantieleistungen oder großzügiger Kulanz geleistet wurde. Dennoch schädigten diese Mängel den Ruf der Fahrzeuge. Hinzu kam kurz nach dem Serienanlauf eine vom KBA verordnete Rückrufaktion, wonach korrodierte Türscharniere zu ersetzen waren. Auch wurden in der Anfangszeit in kurzen Abständen neue Versionen der Software für die Motorsteuerung entwickelt, da die Motoren zu Kaltstartruckeln neigten. Da speziell auf dem deutschen Markt die Motoren auf langen Autobahnstrecken mit hohen Drehzahlen betrieben wurden, wurde auch die Abregeldrehzahl gesenkt, um das Defektrisiko zu verringern.


Alfa Romeo schob bereits im Herbst 1998 eine verbesserte Version des 156 mit zahlreichen Detailverbesserungen nach, die ein weicher abgestimmtes Standardfahrwerk hatte, um das Stuckern der Vorderachse auf Querfugen zu reduzieren.
Im Mai 2000 kam nach etwa sechsjähriger Abstinenz mit dem 156 Sportwagon wieder ein Kombi von Alfa Romeo auf den Markt. Im Unterschied zu den meisten anderen Kombis ist er nicht länger als die Limousine, somit ebenso handlich, bietet jedoch nur begrenzten Laderaum.


Im Frühjahr 2000 wurden die Ergebnisse des ersten Crashtests des Alfa 156 veröffentlicht, die sehr ungünstig ausfielen. Der Test wurde von der französischen Autobild durchgeführt und spiegelt nicht das standardisierte NCAP-Verfahren wider. Diese augenscheinlich schlechte Bewertung, insbesondere im Konkurrenzvergleich, und die nachfolgenden Diskussionen um das Thema Unfallsicherheit haben dem Ruf des Alfa 156 geschadet und die Verkaufszahlen reduziert. Die Karosserie konnte bis zum Ende der Modelllaufzeit nicht mehr geändert werden, wurde aber im Bereich der Vorderachse verstärkt; gleichwohl wurde die Anzahl der eingebauten Airbags erhöht. Schon der Fiat Tipo hatte bei Crashtests nicht gut abgeschnitten.
Ab Mitte 2001 leisteten die beiden Dieselmotoren 85 beziehungsweise 110 kW, da ihre Turbolader nun mit einer variablen Turbinengeometrie ausgestattet wurden. Kurz danach wurde auf der IAA in Frankfurt der sportliche 156 GTA mit Sechszylindermotor vorgestellt (siehe unten). In Deutschland wurde dieses Modell ab April 2002 verkauft.
Im März 2002 gab es eine leichte Modellpflege - neue Räder, Spiegel und Stoßleisten in Wagenfarbe, neue Mittelkonsole, Kopfairbags serienmäßig in allen Modellen - ein neuer 2-Liter-Ottomotor mit Direkteinspritzung und 122 kW (166 PS) ersetzte den bisherigen 2.0-l-Twin Spark, der 2,4-Liter-Diesel leistete jetzt dank geänderter Elektronik 110 kW (150 PS). Ab Ende 2002 war der 1,9-Liter-Diesel mit Vierventiltechnik und 103 kW (140 PS) zu erwerben. Kurz vor dem Modellwechsel wurde die Leistung auf 110 kW (150 PS) angehoben. Einen Dieselrußpartikelfilter (DPF) gab es für den 156 nicht; dieser wurde erst beim Nachfolger 159 eingeführt.

Modellpflege

Im September 2003 überarbeitete Alfa Romeo den 156. Das Fahrwerk und die Sicherheit wurden verbessert sowie neue Motoren 129 kW (175 PS) starke Fünfzylinder-Diesel und 110 kW im 1,9-l-Diesel eingeführt. Die Form des Fahrzeugs wurde von Giorgetto Giugiaroumgestaltet. Auffälligste Änderung sind der Kühlergrill und die Scheinwerfer, das Heck wurde dezent, aber mit vielen Teilen verändert, orientiert sich aber am Urentwurf. Die äußerlichen Änderungen wurden nicht im GTA übernommen.
Ab November 2003 wurde das Sondermodell ti („Tourismo Internationale“) angeboten.
Ende September 2005 wurde der Alfa 156 durch den Alfa 159 abgelöst. In Ägypten dagegen wird der Alfa Romeo 156 bei der Seoudi Group weiterhin montiert und vertrieben.
In Anlehnung an die berühmte GTA-Baureihe (Giulia Sprint GTA, GTA 1300 Junior) hat Alfa Romeo im Jahr 2002 auch vom Modell 156 eine GTA-Version herausgebracht.

Der 156 GTA, der als Limousine und Sportwagon erhältlich war, sah noch sportlicherer aus (unter anderem mit neugestalteten Rädern), war innen anders ausgestattet (eigene Sitze) und hatte einen anderen Antrieb: Als GTA erhielt der 156 die letzte Ausbaustufe des Arese-V6-Motors, die auch als „der letzte echte Alfa-Motor“ gilt. Dieser V-Motor hat einen Zylinderwinkel von 60 Grad. Im 156 GTA ist er quer zur Fahrtrichtung eingebaut und hat folgende technische Daten:

• Hubraum: 3179 cm³
• Leistung: 184 kW (250 PS) bei 6200/min
• Drehmoment: 300 Nm bei 4800/min

Dieser Motor ermöglicht folgende Fahrleistungen:

• Höchstgeschwindigkeit: > 250 km/h
• Beschleunigung 0–100 km/h: 6,3 s

Die offiziell angegebenen Verbrauchswerte:

• städtisch: 18,1 l
• außerstädtisch: 8,6 l
• gesamt: 12,1 l

Der in die Jahre gekommene V6-Motor des GTA hat in diesem Modell (sowie im 147 GTA, 166, GTV, Spider und GT) seinen letzten Einsatz. Verantwortlich für das Ende dieses Motors ist, neben seinem Abgas- und Verbrauchsverhalten, sicher auch die aufwändige Produktion mit entsprechend hohen Kosten.
Optional war der GTA mit der Selespeed-Schaltung erhältlich, die aber gegenüber der „normalen“ Selespeed-Schaltung modifiziert und verbessert worden war. Serienmäßig war ein 6-Gang-Schaltgetriebe.
Der GTA wurde nur mit dem ersten Gesicht der 156er-Reihe gebaut: Während die anderen Modelle mit dem Facelift den großen Grill (Scudetto) erhalten haben, blieb dem GTA der kleine Originalgrill. Der GTA wurde als einzige Version des Alfa 156 mit schwarz hinterlegten Scheinwerferreflektoren ausgeliefert.

Crosswagon Q4

Der Sportwagon Q4 war eine 2 cm erhöhte Ausführung des 156 mit Allradantrieb. Von Oktober 2004 bis Juli 2007 wurde diese um das Modell Crosswagon Q2 ergänzt, das um 6,5 cm höher gelegt ist. Es bietet dadurch mehr Bodenfreiheit und mehr Übersicht, ohne ein vollwertiger Geländewagen zu sein. Der Wagen hat serienmäßig eine neuartige Antriebsschlupfregelung (ASR) und den Alfa-eigenen Allradantrieb „Q4“ und kann damit auch im Grenzbereich besser unter Kontrolle gehalten werden. Das Fahrverhalten des Crosswagon Q4 ist sportlich orientiert und folgt damit der Tradition der Marke Alfa Romeo. Erkennbar ist der Crosswagon Q4 an den wuchtigeren Schürzen an Front und Heck. Er wurde ausschließlich mit dem 110 kW (150 PS) leistenden 1,9-l-Vierzylinder-Dieselmotor (305 Nm maximales Drehmoment) in Verbindung mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe angeboten.
In Anbetracht dass bei seinem Erscheinen der Nachfolger des 156 schon erwartet wurde, hatte Alfa Romeo den Listenpreis mit nur 32.000 € angesetzt, also nur 2000 € mehr als die Allradvariante Sportwagon Q4. Mit 400 Stück war auch die Verkaufserwartung für Deutschland sehr moderat.

Design

Verantwortlich für das Design war Walter Maria de’Silva, der unter anderem später den Seat Leon II sowie den Audi A5 gestaltete. Mit dem Alfa 156 nahm de’Silva ein für Alfa Romeo typisches Designelement aus den 1950er-Jahren wieder auf, indem er den mittleren Teil des Kühlergrills tief nach unten zog und das Kraftfahrzeugkennzeichen seitlich platzierte. Neu waren die scheinbar in die Dachsäulen eingelassenen Griffe der hinteren Türen, die dem Viertürer die Anmutung eines Zweitürers geben. An der Innenausstattung arbeitete Fabrizio Buonamassa mit, der später Designer bei Bulgari wurde. Mit dem Facelift wurde Giorgetto Giugiaro betraut.
Das Design wurde in einer Betrachtung als Zukunfts-nostalgisch (Retro-futuristisch) eingestuft, und in die Nähe des Werks von Oscar Niemeyer gerückt.

Fahrwerk

Die Radaufhängung der 156-Reihe ist vorne mit einem unteren Dreiecks-Querlenker und einem oberen Dreiecks-Schräglenker realisiert. Die Hinterräder werden oben vom Stoßdämpfer und unten von jeweils zwei Querlenkern und einem Längslenker geführt („Camuffo-Achse“). Die oberen Lenker der Vorderachse wurden in einem damals im Automobilbau neuen Vakuum-Gussverfahren aus Aluminium hergestellt, das zuvor nur beim Hinterachstragkörper des Alfa GTV/Spider der Baureihe 916 angewendet worden war.
Der Alfa 156 gehörte zu den seltenen Fahrzeugen mit einer fast sauberen Ackermann-Vorderachsgeometrie. Bei der Ackermann-Lenkung wird das kurveninnere Vorderrad weiter geschwenkt als das kurvenäußere Rad. Wenn der Schwenkbereich eines Rades sehr begrenzt ist, führt das zu einem großen Wendekreis, den daher zu dieser Zeit alle Alfa-Modelle hatten. Diese Lenkgeometrie ermöglicht jedoch ein von Radierbewegungen freies Kurvenfahren mit einer ungewöhnlich sauberen Rückmeldung des Fahrbahnzustands im Lenkrad, wodurch die Lenkung einer der stärksten Pluspunkte dieses Alfa war.

Gesellschaftliche Bedeutung

Wie viele Modelle in der Geschichte der Marke Alfa Romeo gilt auch der 156 als Fahrzeug für Nonkonfirmisten. In dieser Rolle wurde das Fahrzeug beispielsweise von Claus Theo Gärtner, dem Filmdetektiv Josef Matula in der Krimiserie Ein Fall für zwei gefahren, ebenso ein 156 Sportwagon von John Malkovich in der Hauptrolle als Tom Ripley in Ripley’s Game. Auch nach der Einstellung der Produktion ist der 156 in Filmen zu sehen, beispielsweise im Tatort – „Dinge, die noch zu tun sind“ von 2012, in Trance – Gefährliche Erinnerung von 2013 und in A Most Wanted Man von 2014.
Prominente Fahrer eines 156 als Limousine waren oder sind so unterschiedliche Personen wie der Österreichische Künstler Adolf Frohner, der niederländische Kinderbuchautor Dolf Verroen, der britische Verkehrsminister Stephen Ladyman. Den Sportwagon nutzten Michael Schumacher und die Spieler des Eishockeyclubs Frankfurt Lions.

Auszeichnungen

Der 156 gewann im Laufe der Zeit zahlreiche internationale Auszeichnungen. Zu ihnen zählen die Titel Car of the Year 1998, Auto Europa 1 − 1998, Best Compact Executive 1998 und The car that I prefer 2000.

© 2017 gebrauchtwagen-information.de. All Rights Reserved.

Free Joomla! template by L.THEME